Tradition und Geschichte


Im Jahre 1847 erlebte Eisenach ein bedeutsames musikalisches Ereignis: Das Thrüinger Sängerfest, das am 23. und 24. August auf der Wartburg und auf einer Waldwiese oberhalb des Marientales gefeiert wurde. Beteiligt waren 28 Männergesangsvereine mit 1200 Mitgliedern; aus Eisenach nahmen der "Männerchor" und die "Liedertafel" unter der Stabführung ihres Dirigenten, Prof. Kühmstedt, teil. Kühmstedt führte drei eigene Kompositionen auf: "Weingesang", "Die Frauen sollen leben" und "Gebet".

Die Beteiligung der Bevölkerung muss gewaltig gewesen sein, spricht doch der Chronist von einem "herrlichen Fest, wie Thüringen noch keines gesehen".
Außer Kühmstedt waren die bekannten Komponisten und Musiker Methfessel, Reisiger, Reinthaler und Böhner zugegen; von Dichtern beteiligten sich Gustav Freytag, Ludwig Stosch, der Märchendichter L. Bechstein, der Chronist Heinrich Schwerdt, der zugleich Versammlungsleiter war. Zwischen den Darbietungen sprach der Eisenacher Stadtälteste Dr. v. Wydenbrugh (nach ihm ist die Verbindungsstraße vom Schwarzenbrunnen zum Jacobsplan genannt) über die Bedeutung des Festes als deutsches Volksfest.

Auch an einem politischen Misston fehlte es nicht, als die Erfurter Sänger das nicht im Programm vorgesehene Lied "Preußen voran" zum Vortrag brachten. Die Erinnerung an dieses, für die Stadtgeschichte bedeutende Ereignis lebt heute in der Forstbezeichnung "Sängerwiese", im "Sängerpfad", der großen steinernen "Sängerbank" und dem schöngelegenen Waldgasthaus "Sängerwiese" fort.            E. Bock.




Historische Informationen

-          an der Wegscheide, die heute den Platz der Sängerwiese bezeichnet, und die früher "Scheide" genannt wurde, befand sich im 18. Jahrhundert (lt. Amtsbeschreibung von 1754) ein Wildschuppen

-          der Name "Sängerwiese" entstand im 19. Jahrhundert, er wurde übertragen von dem das hintere Mariental überragende Felsen namens "Sängerstein"

-          dieser Sängerstein erhielt seinen Namen am 24. August 1847, damals fand im Mariental das 5. Thüringer Liederfest statt, und zwar in der Milchkammer. - Im Zusammenhang mit diesem Fest wurde symbolisch der Felsen benannt.

-          Ein Zeitpunkt für die Übertragung des Namens auf die Sängerwiese kann nicht genannt werden.

-          TLZ 21.1.1972 berichtet: Gasthaus Sängerwiese 1927 von Natur- und Heimatfreund Max Schuchardt errichtet, 1932 in heutiger (1972) Gestalt ausgebaut, beliebter Naherholungsort der Eisenacher: Cafe, selbst gebackener Kuchen, Thüringer Spezialitäten, geleitet von Elly Schuchardt (20.1.1972: 80. Geburtstag), bei Bewirtung unterstützt von Tochter Ina und Walter Hörnlein, besonderes Erlebnis: Wildfütterung im Winter

-          Auf diese Information beziehen sich alle späteren Schreiber: Eilers (Chronik, ohne Quellenangabe) schreibt 1927, das übernimmt Büttner (So lange noch ein Lämpchen....) . Im Adressbuch von 1929 ist der Gasthof aber nicht zu finden.

-          Schon in den 1920er Jahren finden diverse Veranstaltungen auf der Sängerwiese statt, etwa ein Waldlauf Prinzenteich-Sängerwiese im Rahmen der Arbeiter-Sportwoche, oder ein Jugendtreffen 1923

-          Auch später beliebter Platz: 1962 findet hier die Kreis-Spartakiade des DRK statt

-          Am 2.8.1965 wird hier der staatliche Forstwirtschaftsbetrieb eröffnet

-          Für den August 1975 vermeldet die Zeitung, dass sich internationale Feriengäste im Gasthof aufhalten

-          Lt. Beschluss Rat der Stadt vom 23.4. 1980 wird die Straßenbezeichnung „Sängerwiese“ in den Wohnbezirk 4 aufgenommen [12-2301]

-          Aus der TA vom 15.4. 2010 gehen folgende Informationen hervor: "Der Name leitet sich von den Festen des Thüringer Sängerbunds im 19. Jahrhundert ab. So trafen sich Thüringer Chöre am 23. und 24. August 1847 in Eisenach. Die Milchkammer, die Sängerwiese, die Wartburg und die Stadt waren damals voller Sänger. Der Gasthof selber ist 1927 gebaut worden, hatte aber seinen Vorläufer in einer urigen Erfrischungsstation von Carl Roth, gelegen zwischen Wartburg und Drachenschlucht."

Quelle: Stadtarchiv Eisenach, Herr Dr. Reinhold Brunner 20. April 2010